Samstag, 26. September 2015

[Autoreninterview] Lily Konrad

Hallo meine Lieben,

Vor kurzem habe ich 1001 Angst von Lily Konrad gelesen und war restlos begeistert.
Es hat mich wirklich umgehauen, wie subtil sie da mit den Ängsten der Leser spielt.
Daher dachte ich mir, ich stell euch die Autorin einfach mal näher vor.






Lily macht auf mich einen sehr sympathischen Eindruck und ich bin gespannt, wie ihr sie findet.





"Schon als Kind liebte Lily Geschichten - die aus Büchern genauso wie die selbst ausgedachten. Ihre ersten "Werke" waren in Schulhefte geschriebene Indianergeschichten, die sie mit Bildern von Karl-May-Verfilmungen illustrierte. 2002
© Lily Konrad
begann sie, Romane zu schreiben, zunächst allerdings nur für ein paar interessierte Testleser. Ihr Debüt "Staub von den Sternen" erschien erst gut 10 Jahre später. In ihren Büchern schreibt Lily vor allem über die Gefühle und Handlungsmotive ihrer Protagonisten. Es ist ihr wichtig, ihren Lesern die handelnden Personen nahe zu bringen, die Charaktere lebensecht und durchschaubar zu machen. Für sie sind Bücher vergleichbar mit Musik: Die geschriebenen Worte sind wie Noten auf dem Papier. Erst wenn die Melodie erklingt, wenn die Geschichte in der Vorstellung des Lesers Formen annimmt, sind die Noten oder Worte zum Leben erwacht und haben ihr Ziel erreicht. Lily lebt mit ihrer Familie in ihrer Wahlheimat Butzbach, einem kleinen Städtchen nördlich von Frankfurt. Außer Schreiben und Lesen sind ihre liebsten Freizeitbeschäftigungen Stricken von selbst erdachten Motiven, Wandern und Reisen. Sie ist mit Vorliebe am, im oder auf dem Meer, was vielleicht mit ihrem Sternzeichen (Fische) zusammenhängt. Mehr über Lily Konrad und ihre Bücher ist auf ihrer Homepage http://www.lily-konrad.de/ nachzulesen. Auch freut sie sich sehr über Kontakte via Facebook unter https://de-de.facebook.com/lilykonrad."
Quelle: http://www.amazon.de/Lily-Konrad/e/B00IZO4PCM/ref=sr_ntt_srch_lnk_1?qid=1443217098&sr=8-1




Gerade habe ich 1001 Angst von dir gelesen.
Darin spielst du geschickt mit den Ängsten der Leser.
Im Vordergrund steht vor allem das Martyrium und die Auswirkungen.
Wie entstand die Idee dazu?
Es gab mehrere Faktoren, die zusammentrafen. Zum Einen hatte ich eine Zeit lang das Gefühl, dass man "ständig" von solchen Entführungsfällen hörte oder in der Zeitung las, bei denen junge Frauen über Jahre in irgendwelchen Verließen gefangen gehalten wurden. Das warf bei mir die Frage auf, was eigentlich in den Köpfen der Entführer vorging, aber auch, was es für die Opfer bedeutete. Die körperlichen Qualen, das Ausgeliefertsein, aber vor allem auch die Isolation. Niemanden zu haben, mit dem man reden kann, nie zu wissen, was außerhalb des Gefängnisses passiert.
Diese Gedanken trafen zusammen mit der Frage meines Verlegers Sascha Ehlert, ob ich eine Thriller-Kurzgeschichte zu diesem Thema schreiben wollte. Erst sagte ich ja, aber als die Kurzgeschichte fertig war, wurde mir klar, dass die Bilder, die ich dazu im Kopf hatte noch weitaus mehr hergaben. Also sagte ich Sascha, dass ich einen "ganzen" Thriller dazu schreiben wollte. Er war sofort einverstanden und hat mich unterstützt.

Wer war schwerer von den beiden zu entwickeln?
Eindeutig Joseph! Ich konnte mich sehr gut in Lina hineinversetzen und nachempfinden, was mit ihr passiert. Aber vor Joseph hatte ich eine große Scheu. ich wollte mich ja nicht mit ihm identifizieren. Deswegen ist sein Part auch aus der Sicht des Beobachters erzählt, während ich bei Lina die Ich-Perspektive gewählt habe.

Lilys Lieblingszitat


Was hattest du für eine Szenarie vor Augen als du diese Grundidee verwirklicht hast.
In erster Linie habe ich an die Einsamkeit in dem dunklen Keller gedacht. Wie Lina langsam aber sicher die Hoffnung aufgibt, dass noch jemand an sie denkt und sie zu befreien versucht. Die Hilflosigkeit die aus der kompletten Abhängigkeit resultiert. Das wollte ich dem Leser vor Augen führen, nachempfinden lassen.

War es schwer dafür einen Verlag zu finden?
Nein, nicht für 1001 Angst. Da hatte ich ja schon zwei Romane beim Titus-Verlag herausgebracht. Und wie gesagt kam der Anstoß zu dem Thriller sogar vom Verleger selbst.

Wie lange hat es gedauert von der Idee bis zum fertigen Buch?
Ungefähr ein Jahr vom ersten Kapitelplot bis das Buch gedruckt war.
 © Lily Konrad

Schreibst du momentan schon ein neues Buch und kannst uns etwas darüber verraten?
Ich habe ja neben 1001 Angst zwei Thriller-Episoden in der Complex West Serie veröffentlicht (Ich bin Gott und Eiseskälte). Eine dritte Episode ist schon fertig und liegt beim Verlag. Sie heißt Seelenlos.
Außer der "dunkle" Thriller-Seite habe ich auch noch eine "helle" Roman-Seite und die beiden Bücher Staub von den Sternen und Was andere nicht haben veröffentlicht, zwei in sich geschlossenen Romane, die aber von denselben Hauptprotagonisten handeln. Momentan schreibe ich an dem Band drei dazu, der im Februar 2016, also rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse erscheinen soll. Ich weiß schon wie er heißen wird, aber das verrate ich noch nicht.
Wenn dieser Roman fertig ist, habe ich schon die ersten Skizzen für ein ganz neues Projekt erstellt: Mein erster Fantasy-Roman über eine junge Frau, die bei der Mordkommission arbeitet und feststellt, dass sie besondere Fähigkeiten hat. Sie kann Gedanken lesen. Allmählich kommt sie auch dahinter, warum das so ist, aber je mehr sie erfährt, desto gefährlicher wird es für sie. Bald schon kann sie niemandem mehr trauen...

Was bist du selbst für ein Mensch.
Wie würdest du dich charakterisieren?
Ich bin immer neugierig, lernfähig, probiere gern etwas Neues aus. Ich langweile mich schnell, Routinen und Hierarchien sind mit zuwider.
Da ich Optimistin bin, ist mein Glas immer halbvoll. Allerdings bin ich nicht besonders geduldig, am wenigsten mit mir selbst.
Ich bin eine gute Zuhörerin, rede aber nicht so gern über mich. Deswegen ist dieser Abschnitt auch so kurz ;)

Was ist für dich privat sehr wichtig?
Worauf legst du Wert im Leben?
Ich habe eine wundervolle Familie und liebe Freunde. Ihre Unterstützung gibt mir Halt, und genauso bin ich für sie da, wenn sie mich brauchen. Aber um mich wirklich wohl fühlen zu können, brauche ich die Möglichkeit, meinen eigenen Weg zu gehen, meine Entscheidungen selbst zu treffen. Wenn jemand versucht, mich in eine Richtung zu drängen, in die ich nicht gehen will, reagiere ich prompt mit Trotz und Ablehnung. Ich lege Wert auf Ehrlichkeit und Offenheit, Menschen mit Rückgrat sind mir am liebsten.

Was hast du für Hobbies?
Außer Schreiben und Lesen? Ich reise für mein Leben gern, am allerliebsten per Schiff. Wandern ist ebenfalls eines meiner Hobbies, und ich stricke gern nach selbst erdachte Motiven.

Hast du einen chaotischen oder einen ordentlichen Arbeitsplatz?
Chaotisch. Frei nach dem Motto "wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen". Schreibtische, auf denen nichts rumliegt, gehören in meinen Augen ins Möbelhaus.

Lebensmotto von Lily Konrad


Wo sammelst du deine Inspirationen?
Ich sammle sie nicht, sie kommen zu mir, und das auf ganz vielen verschiedenen Wegen. Das kann eine Zeitungsmeldung sein, Landschaften, Gebäude, ein Gesicht, ein Satz oder eine Liedzeile, manchmal auch ein bestimmter Geruch oder Geschmack - irgendein Sinnesreiz trifft auf eine dafür empfängliche Stelle in meinem Inneren. Das setzt Bilder in meinem Kopf frei und sobald ich die habe, ist eine neue Idee entstanden, die dann nur noch notiert werden muss.

Wie gehst du mit Lob und Kritik um?
Das kommt ganz drauf an. Es rührt mich immer noch zu Tränen, wenn ich eine Rezension oder einen Kommentar lese, aus dem hervorgeht, dass der Verfasser genau erkannt hat, worauf es mir in meinem Buch ankam. Das ist ein Gefühl, das sich einfach nicht in Worte fassen lässt!
Daneben gibt es das genaue Gegenteil: Manches Lob und auch manche Kritik ist so allgemein gehalten, dass man sie bequem für jedes x-beliebige Buch wiederverwenden könnte. So etwas nehme ich zur Kenntnis, ohne mich weiter damit zu beschäftigen.
Auch kommt es vor, dass der eine Rezensent genau die Dinge kritisiert, die ein anderer besonders lobend erwähnt hat. Da lässt mich mit der Erkenntnis zurück, dass eben jeder Leser anders ist und dass ich selbst festlegen muss, was bzw. wie ich schreiben will.
Daher vergleiche ich Lob und Kritik gerne mit einem Buffet: Es ist einiges im Angebot - aber was ich davon annehme, entscheide ich letztendlich selbst.

Was für Ziele und Wünsche hast du?
Oh weh - das ist eine sehr umfassende Frage. Ich beantworte sie mal im Hinblick auf meine Bücher bzw. das Schreiben: Ich möchte noch viele meiner Ideen in Bücher umsetzen. Ich habe ja erst zwei Genres ausprobiert. Da geht bestimmt noch mehr. Ich wünsche mir, dass meine Bücher auch weiterhin Leser finden, die sich von meinen Geschichten entführen und berühren lassen. Mein Ziel ist es, immer besser zu werden und meinen Schreibstil immer weiter zu entwickeln. Mein Traum wäre, damit unverwechselbar zu werden.
Und ich hoffe, dass ich immer weiter schreiben kann. Solange bis ich keine Ideen mehr habe. Also wahrscheinlich bis an mein Lebensende.

Lilys Arbeitsplatz © Lily Konrad


Einen Lieblingsplatz zum Schreiben? Sowas hab ich nicht. Ich schreibe dort, wo es sich gerade ergibt.“ So oder ähnlich waren meine Gedanken, als wir beim Autorenstammtisch gebeten wurden, unseren liebsten Schreibplatz darzustellen. Also hielt ich zunächst den Mund oder besser: die Finger still.
Aber dann wurde es draußen wärmer, meine liebste Jahreszeit – der Sommer – hielt bei uns Einzug. Ich holte die Gartenstühle und die Polster aus der Hütte, wischte den Staub vom Tisch, fegte vertrocknete Blätter von der Terrasse, machte mein eigenes kleines Paradies wieder bewohnbar. Wann immer meine Zeit es nun erlaubt, setze ich mich nach draußen, wo ich den Sommer mit allen Sinnen wahrnehmen kann.
Ich schaue in das üppige Grün in unserem Garten, beobachte das Sonnenlicht, das sich in den Zweigen von Büschen und Bäumen bricht, abstrakte Muster auf den Boden malt. Ich höre das Zwitschern und Pfeifen der Vögel, das Summen von Insekten, das Rauschen von Blättern, wenn der Wind sie sanft bewegt. Es duftet nach Blüten, frisch gemähtem Gras, trockener Erde. Die Sonne wärmt die Haut, der laue Wind streicht sanft darüber. Und nichts schmeckt so eindeutig nach Sommer wie frisch gepflückte Erdbeeren oder ein Glas Eiswasser mit einem kleinen Spritzer Limette.
Kein Wunder also, dass ich gerne dort auf der Terrasse sitze und die Sommerzeit genieße. Ich speichere diese Wahrnehmungen ab, lade meine Solar-Akkus auf, damit die Energie über die kalten und dunklen Wintertage hinweg ausreicht.
Doch das alles mag zwar erklären, warum ich gern auf unserer Terrasse sitze, liefert hingegen keine ausreichende Begründung dafür, was gerade diese eine Stelle zu meinem Lieblings-Schreibplatz macht. Der Grund dafür ist denkbar einfach: Ich habe hier noch nie nach Ideen suchen müssen. Sie sind immer freiwillig zu mir gekommen, ohne sich lange bitten zu lassen. Wenn der Gedankenfluss ins Stocken gerät, hebe ich einfach den Blick über den Rand des Laptop-Monitors hinweg. Ich kann mich darauf verlassen, dass meine Augen an irgendetwas hängen bleiben, was mich in meiner Geschichte weiterbringt, mühelos, fast spielerisch. Oder ich lausche und vernehme ein Geräusch, das sich hervorragend in die Handlung einbauen lässt. Vielleicht ist es auch ein Duft, der mir in die Nase steigt, ein leichter Luftzug, der meine Haut streichelt oder die milde Säure der Limette in meinem Eiswasser. Meine Sinne sind auf Empfang gestellt, alle Kanäle sind geöffnet, die Gedanken können fließen.
Deswegen schreibe ich dort, auf unserer Terrasse, wann immer und solange es geht. Denn der nächste Winter kommt bestimmt.


Liebe Lily, ich danke dir für dieses Gespräch.
Für die Zukunft wünsche ich dir viel Erfolg und vor allem , daß du Spass an allem hast was du tust.


Ich hoffe euch hat das Interview gefallen und ihr seid jetzt so richtig neugierig auf ihre Bücher geworden :)
Wie immer, freue ich mich über Feedback

Eure Susi Aly 

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