Dienstag, 10. Juni 2014

Mein Interview mit der Autorin Nele Neuhaus

Ihr wisst ja, ich führe hin und wieder Interviews mit Autoren die mich tief beeindruckt haben.
Diesmal konnte ich Nele Neuhaus dafür gewinnen, mir ein paar Fragen zu beantworten.Ich kann nur sagen, es ist ein sehr interessantes Interview mit einer überaus sympathischen und offenen Nele Neuhaus geworden.
 "Sommer der Wahrheit" hat mich sehr beeindruckt und ich bin fest davon überzeugt, es wird mit Sicherheit ein Bestseller werden.
Nele Neuhaus wird mit mit diesem Buch viele neue Leser dazugewinnen können.



















  

Die Autorin: 
Schon als Fünfjährige schrieb die in Münster Geborene ihre erste Geschichte, mit 14 Jahren füllten die Storys schon mehrere Hefte. Und als Nele Neuhaus nach dem Studium von Jura, Geschichte und Germanistik das erste "richtige" Buch geschrieben hatte, ließ sie es "on demand" drucken und vertrieb es selbst. Es verkaufte sich bestens, der Berliner Ullstein-Verlag nahm Nele Neuhaus unter Vertrag, und ihre folgenden Krimis um das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff machten aus ihr eine Erfolgsautorin. Der Durchbruch gelang ihr 2010 mit dem vierten Band der Taunuskrimi-Reihe. "Schneewittchen muss sterben" stürmte seit Erscheinen im Juni 2010 die Bestsellerlisten, Lizenzen wurden in 21 Länder verkauft, ebenso die Filmrechte. Auch ihr erstes Buch "Unter Haien" eroberte nach der Wiederauflage im Mai 2012 die Top-Position der Bestsellerliste, genauso wie die Taunuskrimis "Wer Wind sät" und "Böser Wolf". Im ZDF wurden die Filme nach Motiven aus Neuhaus' Romanen 'Schneewittchen muss sterben' und "Eine unbeliebte Frau" Quotenhits.
Außerdem schreibt Nele Neuhaus Jugendbücher, in denen es um Pferde geht, denn die Autorin ist leidenschaftliche Pferdeliebhaberin, Reiterin und Züchterin. Ihre Bücher verkauften sich bis heute (Januar 2014) allein in Deutschland über 5 Millionen Mal.
Nele Neuhaus lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Hund im Vordertaunus.

Hier kommt jetzt das Interview


 Liebe Frau Neuhaus,

ich möchte Ihnen vielmals danken, daß sie sich trotz vollgepackten Terminkalender Zeit für mich nehmen. Um mir ein paar Fragen zu beantworten.

Inzwischen sind Sie mit ihren Büchern ziemlich bekannt geworden. 
Wenn man den Namen Nele Neuhaus hört denkt man sofort an ihre Krimireihe. 
War es von Anfang an geplant, daraus eine Krimireihe entstehen zu lassen?
 
Ganz und gar nicht! An meinem ersten Buch UNTER HAIEN habe ich ca. 8 Jahre lang gearbeitet. Schreiben war schon immer meine Leidenschaft und mein Hobby, aber ich hatte nie viel Zeit. Eines Tages war das Buch fertig, aber ich fand keinen Verlag. Deshalb entschloss ich mich, es selbst herauszugeben und ließ 500 Exemplare drucken. Ich verkaufte das Buch in meinem Bekanntenkreis und an die Kunden der Firma meines Ex-Mannes. Und die wollten mehr von mir lesen! Deshalb schrieb ich einen Krimi (weil ich selbst gerne Krimis lese) und versetzte die Handlung in meine Heimat, den Vordertaunus. EINE UNBELIEBTE FRAU verkaufte sich über 3.000 Mal, Buchhandlungen aus der Gegend bestellten bei mir. Und ich mochte meine Protagonisten und dachte mir mit MORDSFREUNDE einen weiteren Fall für Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff aus. Ich wagte es und ließ als Erstauflage 5.000 Exemplare drucken, die ich in unserer Garage lagerte. Doch da waren sie nicht lange, innerhalb von 3 Monaten war die komplette erste Auflage verkauft!
Ich merkte, dass meine Leserinnen und Leser Oliver und Pia mochten – und das war großartig, denn so ging es mir auch. Und ich wusste, dass ich noch mehr Bücher mit den beiden schreiben wollte.


 Hat sich durch den Erfolg etwas für Sie verändert?
 
Ja, durch den Erfolg hat sich sehr viel für mich verändert. Zum ersten Mal verdiente ich eigenes Geld und bekam anerkennendes und begeistertes Feedback von meiner stetig wachsenden Fangemeinde. Fünfundzwanzig Jahre lang hatte ich in der Fleischfabrik meines Ex-Mannes gearbeitet, ohne einen Tag Urlaub. In der „Freizeit“ kümmerte ich mich um die Springpferde von meinem Ex, hielt das Haus sauber – kurzum: ich lebte eigentlich sein Leben, nicht meines. Er hatte wenig Verständnis für meine Schreiberei, mit Büchern hatte er nicht viel am Hut. Vielleicht sah er das Schreiben auch als Konkurrenz und Bedrohung. Eine Weile schaffte ich den Spagat zwischen Firma und Schreiben, aber eines Tages ging es nicht mehr. Mein Ex-Mann ließ mir überhaupt keine Freiheit, er wollte nicht, dass sich etwas verändert und zwang mich weiterhin, tagtäglich in die Firma. Oft hatten meine Tage 18 Stunden, wenn ich abends eine Lesung hatte, morgens aber wieder um 6 das Büro putzen musste. Mein Körper zeigte mir die rote Karte, ich wurde sehr krank, brauchte eine neue Herzklappe. Und da entschied ich: so willst du nicht mehr leben! Ich trennte mich von meinem Mann, bezog meine erste eigene Wohnung und war frei. Das ist jetzt drei Jahre her und ich habe diesen Schritt keine Sekunde bereut.


 Lesungen sind ja für die Autoren sehr wichtig. Wie stehen Sie dazu? Machen Sie es gern? Wie viel Zeit nimmt es in Anspruch?
 
Ich habe schon sehr, sehr viele Lesungen gemacht. Am Anfang saßen da drei Leutchen – und meine treue Familie!  Allmählich wuchs mein Publikum, irgendwann war der erste (kleine) Saal ausverkauft. Bei den ersten Lesungen hatte ich noch einen Vorleser dabei, weil ich mich nicht traute, selbst zu lesen. Aber dann merkte ich, dass es richtig Spaß macht. Sicherlich habe ich schon über 250 Lesungen gemacht – in kleinen Buchhandlungen und in riesigen Sälen. Giovanni di Lorenzo sagte einmal zu mir ich sei eine „Rampensau“ und das stimmt! Ich habe nie Lampenfieber, ich mache das wahnsinnig gerne und liebe es, meine Leserinnen und Leser, denen ich meinen Erfolg schließlich verdanke, bei solchen Gelegenheiten persönlich zu treffen. Ich lese auch nicht nur aus meinen Büchern vor, sondern ich erzähle viel: wie ich zum Schreiben kam, wie ich recherchiere, woher ich meine Ideen bekomme. Außerdem gibt es viele witzige Anekdoten. Mein Publikum hat immer viel zu lachen! Natürlich ist es zeitaufwändig. Früher habe ich nur hier in meiner Heimatgegend gelesen, aber mittlerweile reise ich mit einem neuen Buch durch ganz Deutschland und Europa. Das ist anstrengend und ich hasse es, in Hotels zu übernachten. Ich bin am liebsten zuhause. Trotzdem mache ich es auch in diesem Herbst wieder, nehme meinen alten Jack-Russel-Terrier Shelby mit auf Tour.


Hatten Sie in ihrer bisherigen Schriftstellerkarriere ein einschneidendes Erlebnis, das sie niemals vergessen werden?
 
Es gab zwei dieser Erlebnisse. Das erste und vielleicht großartigste war der Moment, als ich das erste gedruckte Exemplar von UNTER HAIEN in Händen hielt. Das war im September 2005 und ich bin mit dem Buch und meinem Hund spazieren gegangen, weil ich einfach alleine sein musste. Richtig freuen tue ich mich am liebsten ganz für mich …  Es war toll, dieses Buch zu sehen, zu fühlen und darin zu blättern. Ich hatte ein großes Ziel erreicht und das gegen alle Widerstände – kein Verlag, Gegenwind durch meinen Mann und viele Skeptiker in meinem Bekanntenkreis. Ich hatte es gewagt! Was danach kommen würde war mir eigentlich egal.
Das zweite Erlebnis war der Tag, als ich im Januar 2008 eine E-Mail vom Ullstein-Verlag erhielt. Ein Exemplar meines Buches MORDSFREUNDE war auf dem Schreibtisch einer Lektorin gelandet und sie war begeistert von meinem Schreibstil, den Figuren, der Art, wie ich Spannung aufbaue. Man bot mir einen Vertrag an und ich zögerte nicht lange und unterschriebe. Seitdem bin ich „richtige“ Autorin. Dieser Schritt war goldrichtig, denn nun konnte ich mich aufs Schreiben konzentrieren, um alles andere kümmerte sich nun der Verlag.


Ihr neues Buch "Sommer der Wahrheit" ist mal ein völlig anderes Genre. Ich persönlich mag solche Geschichten sehr gern und denke das wird in Zukunft sehr gefragt sein. Was hat Sie dazu inspiriert dieses Buch zu schreiben?
 
In meinen Krimis kommt das Persönliche, Intensive oftmals zu kurz. Sehr gerne würde ich Pia und Oliver mehr Platz einräumen, aber das geht nicht, denn schließlich steht immer der Kriminalfall im Mittelpunkt. Ich wollte ein Buch schreiben, in dem ich mir diesen Raum für meine Hauptfigur nehmen konnte. Dazu muss ich sagen, dass ich immer das schreibe, was ich selbst gerne lese oder lesen würde – und irgendwie treffe ich damit den Geschmack von Millionen Menschen! Die ursprüngliche Idee zur Geschichte um Sheridan Grant hatte ich vor vielen Jahren, als ich in den USA war. Aber ich habe nur zwei Seiten geschrieben, dann fehlte mir die Zeit. Da ich über 25 Jahre so gut wie nie verreist bin, liebte ich es, „Urlaub im Kopf“ zu machen, über andere Länder zu lesen und zu recherchieren. Nebraska, der mittlere Westen der USA, faszinierte mich schon immer: die Weite des Landes und die Beschränktheit seiner Bewohner, diesen Kontrast wollte ich beschreiben. Ich sprach mit meiner Lektorin und meiner Agentin über diese Idee und sie ermutigten mich, dieses Buch zu schreiben. Selten hat mir das Schreiben so viel Spaß gemacht! Ich habe mit Absicht die Ich-Perspektive gewählt, weil ich dadurch Sheridans Gefühls- und Gedankenwelt viel intensiver erzählen konnte als in der 3. Person, und ich war richtig traurig, als das Manuskript fertig war.


"Sommer der Wahrheit" fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Man spürt, wie viel Herzblut und Liebe darin steckt. Wie schafft man es, eine solche Magie einem Buch zu verleihen? Wird es noch mehr solcher Bücher von Ihnen geben?
 
Ich kann mich sehr gut in meine Figuren einfühlen, ganz besonders, wenn ich in der Ich-Perspektive schreiben kann. Das habe ich schon bei meinen Jugendbüchern (Elena- und Charlotte-Reihe) gemerkt. Und die Gefühlswelt eines Teenagers kann ich noch aus eigener Erfahrung beschreiben. Autobiografisch ist SOMMER DER WAHRHEIT trotzdem nicht, ich hatte ein sehr viel normaleres und langweiligeres Leben als Sheridan - zum Glück!
Ich hätte schon eine Idee für eine Fortsetzung der Geschichte um Sheridan Grant. Immerhin gibt es da noch große Geheimnisse in ihrer Vergangenheit: sie weiß nicht, wer ihr leiblicher Vater ist und sie hat ja einen Halbbruder, den ihre Adoptivmutter als Baby weggegeben hat! Außerdem hat sie ihr musikalisches Talent und ich könnte mir vorstellen, dass sie daraus etwas macht.
Zu entscheiden ob es weitergeht überlasse ich aber meinen Leserinnen und Lesern. Wenn SOMMER DER WAHRHEIT gut ankommt, dann wäre ich sehr, sehr glücklich, denn diese Geschichte mag ich einfach gerne weitererzählen. Aber ich habe auch noch andere Ideen für Romane, ganz abgesehen davon, dass ich die Taunus-Krimi-Reihe fortsetzen möchte.


Wie sieht bei Ihnen ein ganz normaler Schriftstelleralltag aus?

Ich bin sehr diszipliniert. Morgens stehe ich um 6 Uhr auf und gehe mit dem Hund raus. Dann ist der Haushalt dran – ich liebe es zu bügeln, dabei kann ich gut nachdenken!
Ab 10 Uhr sitze ich am Schreibtisch. Vormittags beantwortete ich Mails, recherchiere und erledige alles, was so gemacht werden muss.
Meine beste Zeit zum Schreiben beginnt etwa ab 15:00 Uhr, da kann es schon mal passieren, dass ich bis spätabends am Computer sitze, Mein Freund Matthias achtet aber darauf, dass ich etwas ordentliches esse und mein Hund Shelby zwingt mich, an die frische Luft zu gehen. Seit ein paar Monaten habe ich ein Pferd und reite wieder, als Ausgleich für die Schreibtischarbeit. Indy ist übrigens ein American Quarter Horse und ich reite Western – wie Sheridan!


Können Sie inzwischen von ihrem Erfolg leben?
 
Ja, dank meiner vielen Leserinnen und Leser kann ich mittlerweile vom Schreiben leben und dafür bin ich unendlich dankbar! Ich konnte mein liebstes Hobby zu meinem Beruf machen. Wer kann das schon? Mir ist jeden Tag bewusst, wie außergewöhnlich das ist und ich nehme es nie für selbstverständlich.


Welche Träume und Ziele haben Sie?
 
Mein größter Traum – nämlich Schriftstellerin zu werden – hat sich bereits erfüllt! Aber natürlich habe ich noch viele Träume und Ziele: ich will mit Matthias noch viel reisen, ich möchte noch sehr viele Bücher schreiben und ich möchte mit meiner Stiftung tolle Projekte zur Lese- und Schreibförderung von Kindern und Jugendlichen unterstützen.


Besuchen sie Nele Neuhaus auf Facebook: Nele Neuhaus und ihre Bücher
Die Webseite der Autorin: Nele Neuhaus  
Rezenssion zu "Sommer der Wahrheit" :  Sommer der Wahrheit

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